Die Saison ist in vollem Gang – und auch abseits der Landstraßen tut sich einiges: Der österreichische Motorrad- und Rollermarkt legt 2026 kräftig zu. Nach dem ersten Halbjahr zeigt die Statistik ein überraschend deutliches Bild, samt einer Überraschung bei den Gewinnern.
Das drittbeste erste Halbjahr seit rund 50 Jahren
Laut Statistik Austria wurden im ersten Halbjahr 2026 exakt 22.015 Motorräder und Roller über 50 Kubikzentimeter neu zugelassen. Das ist ein Plus von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Zur Einordnung: Nur vier Zulassungen fehlen auf das Rekordjahr 2024, und nur 579 Stück auf das bisher stärkste erste Halbjahr überhaupt, das 2023 verzeichnet wurde. Unterm Strich bedeutet das das drittbeste erste Halbjahr der letzten 50 Jahre.
Noch deutlicher fiel der Start ins Jahr aus: Im ersten Quartal 2026 legten die Neuzulassungen um 18,8 Prozent zu – 6.600 Motorräder und Roller wurden zugelassen, um 1.046 mehr als im Vergleichszeitraum 2025.
Die Top 5 Marken – mit einer Überraschung
Wer nun aber denkt, die etablierten Platzhirsche würden von diesem Boom automatisch profitieren, liegt falsch. Ein Blick auf die fünf meistverkauften Marken des ersten Halbjahrs 2026 (über 50 Kubik, Quelle: Statistik Austria) zeigt ein gemischtes Bild:
- Honda – 3.392 Stück (–11 %)
- Vespa – 3.180 Stück (–9 %)
- Yamaha – 1.851 Stück (–1 %)
- Kawasaki – 1.778 Stück (+1 %)
- BMW – 1.731 Stück (+3 %)
Honda bleibt zwar mit deutlichem Abstand Marktführer, verliert aber genauso wie die Nummer 2, Vespa. Auch Yamaha auf Platz 3 tritt leicht auf die Bremse. Das eigentliche Wachstum des Marktes kommt also nicht von den etablierten Top 5, sondern von weiter unten in der Rangliste.
Die wahren Gewinner: KTM und die chinesischen Newcomer
Der auffälligste Aufsteiger des Halbjahres sitzt direkt hinter den Top 5: KTM liegt mit 1.614 Zulassungen zwar „nur“ auf Rang 6, hat sich nach einem schwachen Vorjahr aber mit +89 Prozent fast verdoppelt und liegt damit in Schlagdistanz zum Podium. Nach dem sogenannten Seuchenjahr davor darf man hier durchaus vom Phönix aus der Asche sprechen.
Noch dynamischer geht es bei den chinesischen Marken zu. CFMoto verzeichnet ein Plus von 290 Prozent und schiebt sich auf Rang 12 vor – nach einem Importeurswechsel im Vorjahr, der die Zahlen damals einbrechen ließ, jetzt also eine deutliche Erholung. Voge, aktuell das beliebteste chinesische Label in Österreich, hat sich mehr als verdoppelt und liegt sicher in den Top 10. Auch QJMotor hat sich mehr als verdoppelt.
Bei den Elektrischen sticht vor allem Stark mit seinem einzigen Modell, der Varg, heraus: Die Marke schafft es damit klar in die Top 20 und ist das mit Abstand beliebteste elektrisch angetriebene Zweirad Österreichs. Die Rollermarke Niu konnte ihre Zulassungen sogar verdreifachen.
Nicht ganz so rosig sieht es für die heimischen KTM-Schwestermarken aus: Husqvarna verzeichnet mit –14 Prozent das größte Minus unter den Top-20-Marken, GasGas kommt mit nur noch 46 Zulassungen kaum mehr vor. Beim neuen Management scheint der Fokus derzeit klar auf der Kernmarke KTM zu liegen.
Was das für die laufende Saison bedeutet
Für uns als Motorradfahrer heißt das vor allem eines: mehr Auswahl. Der Wettbewerb zwischen etablierten Marken und aufstrebenden Herstellern aus Fernost sorgt für spannende neue Modelle und ordentlich Bewegung im Markt – gerade im mittleren Preissegment, wo die Newcomer besonders stark zulegen. Ob sich der Boom bis zum Jahresende weiter fortsetzt, wird sich zeigen. Die ersten sechs Monate 2026 sprechen jedenfalls eine klare Sprache: Motorradfahren in Österreich ist so gefragt wie schon lange nicht mehr.
Quellen: Statistik Austria; Motorradmarkt in Österreich wächst wieder – Motorrad-Magazin.at; Zweiradmarkt Österreich 2026: Winner und Loser zur Halbzeit – Motorrad-Magazin.at
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