Mia die kleine Motormaus #1

Mia und die Frage, warum sie fährt

Mia fuhr, als der Morgen noch unsicher war, ob er bleiben wollte.
Der Himmel war hell, aber nicht entschieden. Die Welt klang leise, als würde sie noch zuhören.

Ihr blaues Motorrad rollte gleichmäßig über den Weg. Mia mochte dieses Gefühl – wenn alles in Bewegung war, ohne sich beeilen zu müssen.

Manchmal fragten andere Tiere sie, warum sie so oft unterwegs war.
Ob sie etwas suchte. Oder vor etwas davonfuhr.

Mia hatte darauf nie eine schnelle Antwort.

Sie hielt an, als der Weg einen kleinen Bogen machte. Links stand ein alter Baum, dessen Äste schon viel gesehen hatten. Rechts wuchs hohes Gras, das sich im Wind bewegte, als würde es flüstern.

Mia stellte den Motor ab.

Es gab Tage, da liebte sie das Fahren, weil es laut war.
Heute liebte sie es, weil es still wurde, sobald sie anhielt.

Sie dachte an die Werkstatt von Herrn Hopp, an das Klirren von Werkzeugen und den Geruch von Öl. An Begegnungen mit Fremden, die nie ganz fremd geblieben waren. An Wege, die plötzlich endeten – und an andere, die dort erst begonnen hatten.

Mia wusste:
Sie fuhr nicht, um irgendwo anzukommen.

Sie fuhr, weil sich unterwegs Dinge zeigten, die im Stillstand unsichtbar blieben.

Ein Gedanke kam ihr:
Manche Antworten warten nicht an einem Ort.
Sie entstehen zwischen zwei Punkten.

Mia setzte den Helm wieder auf. Ihre Pfoten umfassten den Lenker – vertraut, sicher.

Als sie weiterfuhr, nahm sie nichts mit außer dem, was sie sowieso schon bei sich trug:
Neugier.
Ein offenes Herz.
Und die Bereitschaft, stehenzubleiben, wenn es zeit dafür war.

Die Straße führte weiter.
Und Mia mit ihr.