BMW R1300GS Trophy – Erste Eindrücke nach 5.500 Kilometern

Es ist Zeit für ein erstes Fazit.
Heute möchte ich meinen Gedanken zur BMW GS ein bisschen freien Lauf lassen und euch meine ersten Eindrücke mit meiner Brummbeere schildern. Rund 5.500 km haben wir jetzt gemeinsam erlebt – da gibt’s einiges zu erzählen.

Kurz zum Bike:
Wie gesagt, es handelt sich um eine R1300GS Trophy mit manueller Schaltung. Ich glaube, es ist einfacher aufzuzählen, was nicht an Extras dabei ist: der werkseitige Akrapovic, der Motorschutzbügel und die goldenen Felgen. Ansonsten ist sie voll ausgestattet – von Heizgriffen über Sitzheizung, Nebelscheinwerfer bis zum Abstandstempomat.
Für mich ist es bisher die längste Zeit mit einer GS. Viele von euch wissen ja, dass ich bisher vor allem auf das Obst aus Mattighofen gesetzt habe. Aber nach dem Reparatur-Fiasko mit unserem Hauptbike (wir haben hier darüber berichtet), war es Zeit für etwas Neues.
Ich muss ehrlich zugeben: Der Einstieg in die GS-Welt war für mich nicht ganz einfach. Doch nach der ersten Probefahrt war der Bann gebrochen. 😉

Im Herbst durfte ich die neue GS erstmals ausgiebiger fahren – auf der Triple Black meines Freundes Martin (der Wirt vom MoHo Deixelberger). Das war schon ein echtes Highlight. Das Fahrwerk ist deutlich direkter geworden, man bekommt viel mehr Feedback – etwas, das ich an den älteren GS-Modellen bis zur 1250er oft bemängelt habe. Auch die paar PS mehr machen sich spürbar bemerkbar: von 0 auf 160 geht’s in Nullkommanix. Damit war der Grundstein gelegt – und wenig später stand eine BMW in meiner Garage. Dank der Zusammenarbeit mit BMW Gönitzer habe ich hier einen professionellen und zuverlässigen Partner in allen Belangen rund um BMW gefunden!

Meine Brummbeere im Alltag:
Schon beim ersten Aufsitzen habe ich mich wohlgefühlt. Nach dem Umstellen auf die hohe Sitzposition und dem Entfernen der Gummis an den Fußrasten war’s dann perfekt. Besonders ins Herz geschlossen habe ich die Aerodynamik. Gerade jetzt im Frühling, wo die Temperaturen oft schwanken, spielt das ausgeklügelte Windschild mit den seitlichen Abweisern seine Stärken aus. Die elektrische Höhenverstellung bringt zusätzlichen Komfort: Wird’s warm, einfach das Schild per Tastendruck runter – und schon strömt der Fahrtwind auf den Oberkörper.
Auch Griff- und Sitzheizung sind heute für mich unverzichtbar. Die drei Stufen der BMW-Heizung? 1: lauwarm, 2: sehr heiß, 3: Hölle. Genau mein Ding! 😛 Selbst bei eisigen Temperaturen kann man die Finger entspannt auf Kupplung oder Bremse legen, ohne Angst vorm Abfrieren zu haben. Und gleichzeitig trainiert man gleich noch das lockere Halten am Lenker, da man sich sonst die Griffel verbrennt 😉

Fahrmodi:
Ich fahre fast ausschließlich im Modus Dynamic Pro – mit minimalen Assistenzsystemen. So habe ich die volle Leistung immer dann zur Verfügung, wenn ich sie brauche… oder mir zumindest einbilde, sie zu brauchen. 😉
Lediglich im ersten Gang finde ich die Gasannahme nicht ganz sauber – vermutlich greift hier die Elektronik etwas unterstützend ein, was manchmal etwas irritierend wirkt.
Der Quickshifter funktioniert gut, aber wie ich immer wieder sage: Entweder den Hebel ordentlich durchdrücken unter Last, oder beinahe im Rollbetrieb schalten. Dazwischen wird’s hakelig – das ist aber keine Schwäche des Bikes, sondern einfach eine Eigenart des manuellen Getriebes im allgemeinen. Wer’s ganz sanft will, sollte vielleicht auf das ASA-Getriebe setzen – aber das ist ein Thema für ein andermal.
Besonders genial finde ich das Runterschalten: Ein echter Genuss, den Hebel bei sportlicher Fahrt nach unten zu drücken und zu hören, wie das Zwischengas den Gang butterweich einzieht. Auch das Schalten von der zweiten in den Leerlauf klappt tadellos.

Verbrauch:
Ich habe auf der Tour durch Griechenland und dem Balkan einen durchschnitt von 5,2 gefahren. Es waren auch sportliche Passagen dabei, aber trotzdem eine längere Reise. Bei der sportlichen Sonntagsausfahrt kann der Verbrauch schon auch mal deutlich steigen 😉

Fahrwerk:
Wie schon erwähnt, ist das Fahrwerk der neuen GS viel direkter und sportlicher geworden. Mein erster Test ist da immer: kräftig aus dem Stand beschleunigen. Wenn sich das Ross dabei lieber auf die Hinterbeine stellt, statt nur den „langen und hohen Hals“ zu machen, ist das schon ein gutes Zeichen. Bis zur 1300er war das leider oft nicht der Fall – daher auch der Spitzname „Gummikuh“.
Jetzt hat man – trotz Telelever und Einarmschwinge – ein stabiles, direktes und auf Wunsch sehr sportliches Fahrwerk mit tollem Feedback.
Die automatische Höhenverstellung arbeitet ebenfalls zuverlässig. Nach rund 3.000 km habe ich sie auf „hoch“ fixiert – dank meiner langen Beine kein Problem, und das Bike muss sich nicht bei jeder Beschleunigung auf über 50 km/h erst heben und dann unter 25 km/h wieder senken. So hebt sie sich einmal beim Starten und senkt sich wieder beim Abstellen ab. Passt für mich perfekt.

Cockpit und Bedienung:
Die Steuerung über das „Wonderwheel“ und den Wippschalter am linken Griff funktioniert nach wenigen Kilometern intuitiv. Die Menüoberfläche ist klar, logisch aufgebaut und gut verständlich – selbst ohne Handbuch kommt man problemlos zurecht.
Natürlich lässt sich auch das Navi über das Drehrad bedienen. Hier hat man mehrere Möglichkeiten:
BMW Navigatoren oder Connected Ride Devices passen direkt rein. Es gibt aber auch eine Handyhalterung („Cradle“), mit der man via BMW App alles über den Lenker steuern kann.
Eine weitere Option sind Drittanbieter wie Carpuride, die ebenfalls das komplette BMW-Dashboard anzeigen. Dank CarPlay kann man sein Handy dann als Navi nutzen, ohne es den Elementen auszusetzen (auch dazu gibt’s bereits einen Bericht bei uns).

BMW bietet außerdem eine zweite Tacho-Oberfläche namens Sport: Die Geschwindigkeit rutscht in die linke obere Ecke, dafür bekommt man eine Echtzeit-Schräglagenanzeige inklusive Top-Wert. Links und rechts davon werden Bremskraft und Traktionskontrolle angezeigt. Zwar fehlen hier Gas- und Bremsenanzeige – aber diese Infos findet man im erweiterten Dashboard (z.B. via Navi oder Handy).
Nicht zwingend notwendig, aber für meine Fahrtrainings und Videoprojekte eine spannende Spielerei.

Licht, Warnsysteme & Koffer:
Bei unseren letzten Touren und Trainings ist uns aufgefallen: Das Lichtkonzept am Heck sieht zwar schick aus, hat aber seine Schwächen. Da Rücklicht, Bremslicht und Blinker in einer Einheit verbaut sind und die Blinker im roten Licht „versteckt“ liegen, ist das Blinken für Hinterherfahrende schwer zu erkennen. Hier wäre es besser, wenn beim Blinken das rote Licht in der jeweiligen Lampe ausgeht – das würde für mehr Sicherheit sorgen.

Was hingegen super funktioniert, ist der Auffahrwarner und Totwinkelassistent. Das System erkennt zuverlässig, ob jemand von hinten überholt oder einfach nur dichter auffährt – ein echtes Plus bei Überholmanövern.

Ich habe die Vario-Seitenkoffer montiert und bei der letzten Tour voll ausgefahren genutzt – zusammen mit den Original-Innentaschen. Das Ein- und Ausladen geht blitzschnell, und dank Zentralverriegelung ist alles sicher.
Ein kleiner Wermutstropfen: Die Koffer könnten ruhig ein paar Liter mehr fassen – die Mechanik der Verstellung nimmt doch einiges an Platz weg.

Reifen:
Aktuell ist meine Brummbeere mit dem Metzeler Tourance Next 2 ausgestattet. Ein solider Tourenreifen, der sich vor allem für den durchschnittlichen Adventure-Fahrer eignet.
Ich persönlich habe mit diesem Reifen schon viele Erfahrungen gemacht – auf unterschiedlichen Bikes und in diversen Dimensionen.
Meine Meinung: Der Tourance Next 2 kommt mit viel Leistung und Drehmoment nicht so gut zurecht – da geht irgendwann der Grip verloren. Nach einer sportlichen Passage sieht die Oberfläche des Reifens oft hart und glatt aus, fast wie versiegelt – das führt zu kleineren oder auch mal größeren Rutschern.
Das Vertrauen schwindet dann schnell.
Dieses Verhalten hatte ich z. B. auf der Honda Africa Twin 1100 nicht, aber auf der KTM Super Adventure schon auch.
Langfristig wird’s bei mir wohl auf den Conti TrailAttack hinauslaufen – da stehen Fahrspaß und Feedback für mich klar vor Laufleistung.

Rückrufe und Zuverlässigkeit:
Ja, ich höre sie auch: die „lustigen“ Kommentare zum Thema Rückrufe bei BMW.
Und ja – es gab welche.
Aber: BMW geht transparent damit um, spricht Probleme offen an und löst sie zügig. Das habe ich bei anderen Herstellern schon ganz anders erlebt, nach dem Motto „Das Problem haben wir noch nie gehört…“.
Meine Brummbeere läuft bisher absolut zuverlässig – keine Fehlermeldung, kein Mucks, keine Zipperlein. Und ich hab sie nicht mit Samthandschuhen angefasst, das kann ich euch versprechen.


Fazit:
Das waren mal meine ersten Erfahrungen mit der BMW R1300GS Trophy und ich kann wirklich jedem eine Probefahrt ans Herz legen. Wenn ihr Fragen habt: einfach DM oder Kommentar. Ride safe – wir sehen uns in der Kurve! 🏍️🔥

2 Gedanken zu „BMW R1300GS Trophy – Erste Eindrücke nach 5.500 Kilometern

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