Yamaha NIKEN – Ein Bike vom anderen Stern?

Wie man sicher schon gut am Trend erkennen kann, mache ich gerne Tests mit Bikes, welche nicht so der breiten Masse entsprechen. Und so hat es mich jetzt auf die NIKEN von Yamaha verSETZT.

Die NIKEN wird ja, seit ihrer Präsentation auf der EICMA 2017 sehr gehypt und ich möchte mich jetzt davon selbst überzeugen, ob dieser Hype gerechtfertigt ist.

Bei diesem Test möchte ich wieder auf mehrere Aspekte eingehen und mich nicht rein in technischen Details verlaufen, hierfür gibt es die offiziellen Produktbeschreibungen und Tests vieler Kollegen. Ich will vor allem wieder auf Emotionen und das Fahrerlebnis selbst eingehen.

Kurvenfahrer.at by Daniel Obersberger-08554

Als ich die NIKEN abholte, im bescheidenen Headquater von Yamaha Austria, waren meine persönlichen Erwartungen an das „Teil vom Mars“ recht hoch. Optisch ist sie sehr futuristisch, ein böser Blick, fast wie von einer Spinne. Als ich sie zuhause abgeladen habe und mein Nachbar wieder mopedschauen kam, haben wir festgestellt, es könnte allemal von Marvel stammen und der fahrbare Untersatz von Spiderman sein. Zur Optik selbst möchte ich gar nicht so viel sagen, denn das ist bekanntlich bei Bikes sehr sehr subjektiv. Aber eines: mir persönlich gefällt sie mit jedem Blick besser, wenn man sich an die doppelte Ausführung an der Front gewöhnt hat, wird das schon 😉

Kurvenfahrer.at by Daniel Obersberger-08419

Erstes Pobesitzen – Als ich sie zum ersten mal angestartet habe und die ersten Meter gerollt bin, war meine Verwunderung schon recht groß. Ich habe mit einem komplett anderen Feeling und Fahrverhalten gerechnet. Aber definitiv nich damit: es fährt sich ja wie ein „normales“ Motorrad?!?

Mit dieser überaus positiven Erkenntnis im Gepäck folgten die ersten Testkilometer und zwar im verkehrsreichen Graz. Ist die NIKEN als Stadtflitzer geeignet? Sie ist doch vorne so breit und bullig? Kein Problem! Denn wenn man sie sich genau ansieht, sind Lenker und Spiegel die breitesten Stellen und diese weichen nicht von anderen Tourenbikes ab. Dazu kommt, dass sich dieses Bike, aufgrund der gegebenen Geometrie extrem gut im langsamen Geschwindigkeitsbereich überaus präzise steuern lässt. Somit gibts für den Stadtverkehr schon mal einen Daumen hoch.

Im Anschluss wurde es ernst. Ich habe mich dazu entschlossen, damit meine absoluten Hausstrecken zu fahren und zusätzlich bewusst bei bekannten Bikertreffs Pausen einzulegen. Mich interessiert einfach wie sie im echten Leben ankommt, was so die Meinungen und Stimmungen dazu sind.

Auf der Straße – Als es dann aufs Freiland ging, konnte sich die NIKEN endlich richtig entfalten und zeigen wofür sie tatsächlich gebaut ist. Nach einer kleinen Anreise zu einer meiner Lieblingsstrecken, der Weinebene, hatte ich ein gutes Gefühl für sie entwickelt und so war die Auffahrt auf den Berg bereits von einer wirklich tollen Performance unterstrichen. Einige Biker, welchen wir im Rückspiegel erschienen sind, haben nicht lange gezögert und uns passieren lassen, ich denke in der Hoffnung, dass wir oben warten und begutachten lassen, was da an ihnen vorbeigeflogen ist.


Natürlich sind die NIKEN und ich dem nachgekommen, war ja auch ein Teil des Tests, und haben dann oben auf der Passhöhe auf die zuvor überholten Biker gewartet. Es dauerte nicht lange und die NIKEN war der Hotspot auf der Weinebene. Ich musste Rede und Antwort stehen und unzählige Fragen beantworten, so sollte es auch noch die nächsten Tage weitergehen. Ganz egal, wo wir stehen blieben, ob irgendwo im Wald neben der Straße, ohne Parkplatz oder bei den Bikerhotspotts, überall versammelten sich neugierige Biker um das UFO.

Der allgemeine Grundtenor unterscheidet sich interessanterweise sehr stark von jenem aus dem Netz. So wurde bei meinen Facebook-Postings durchaus sehr negativ kommentiert, allerdings sehr unfundamentiert. In der Realität sah das ganze dann schon anders aus. Die Neugierde überstieg die Skepsis und auch der Tellerrand wurde gerne mal überblickt – zumindest nach einigen gewechselten Worten. Mich freut, dass es durchaus Biker gibt, welche auch offen für Neues sind und es zumindest gerne probieren möchten, bevor voreilige Schlüsse gezogen werden.

Unterm Strich kann ich sagen, man wird mit diesem Bike weniger belächelt, eher mehr bestaunt. Aber es ist definitiv nichts für jemanden der gerne unauffällig bleibt – das geht damit absolut nicht – noch nicht.

Zum Fahrerlebnis selbst – Wie schon eingangs erwähnt, war ich damit in der Stadt, auf Freiland und zu guterletzt auch noch auf der Rennstrecke unterwegs. Ich wollte wirklich alles aus dem Bike herausholen und es erleben.

Wenn man schon mal Berührungspunkte mit Touringbikes hatte, gibt es keine großen Umstellungen. Die Sitzposition ist einem Tourer sehr ähnlich, auch das Fahrverhalten. Ein wichtiger Punkt muss hier erwähnt werden, die NIKEN hat KEINE zusätzlichen Stabisysteme, es sind lediglich zwei Gabeln mit Rädern dran. Ergo es fällt genau so um wie ein anderes Bike, hat aber auch den großen Vorteil, dass so ein unverfälschtes Fahrerlebnis möglich ist und es sich auch vom Grunde her nicht von herkömmlichen Bikes unterscheidet.

Die größten Unterschiede liegen im Anbremsen, zwei Räder an der Front bremsen einfach unglaublich gut, und im Kurvengrip. In Schräglage ist der Grip an den Vorderrädern pervers hoch. Ich habe dies auf zwei Arten getestet, zum einen auf einer Straße mit weiten und zügigen Kurven mit extrem vielen Teerausbesserungen und zum anderen auf der Rennstrecke. Auf der schlechten Straße bietet einfach immer ein Rad Grip, aber ohne es zu spüren, dass eines eventuell keinen Halt hat. Man merkt es am Hinterrad, denn dieses gibt normales Feedback und verliert schon mal Traktion auf dem rutschigen Teer, wie bisher gewohnt – aber alles kein Thema und man fährt seine Kurven wie auf Schienen. Auf dem Racetrack habe ich es dann mit Speed probiert. Von Runde zu Runde mehr Kurvenspeed, bis es schließlich so viel war, dass bereits wieder am Hinterrad die Haftgrenzen erreicht waren, da war vorne noch immer nicht der Hauch von Instabilität zu spüren. Auch bei der Schräglage konnte ich keine größeren Probleme gegenüber anderen Bikes in dieser Klasse feststellen. Die Fußrasten schleifen schon mal, aber wenn man die Schleifnippel entfernt gibt es noch immer genügend Spielraum.

Motor – Angetrieben wird das UFO vom CP3-Motor mit 847 cm³ und 115 PS, den man schon aus der MT09 kennt. Der Dreizylinder lässt sich sehr sauber dosieren und bietet auch über die Elektronik drei unterschiedliche Mappings.


Beim Gewicht liegt sie natürlich etwas über dem Durchschnitt (268 kg – voll), logisch, hat ja vorne immerhin auch mehr Rad 😉 aber die Ingenieure haben es geschafft, anhand der Geometrie und Sitzposition, eine 50:50 Aufteilung zu erhalten und so ist das Gewicht kaum spürbar.

Führerschein – Ich habe auch schon den einen oder anderen Kommentar gelesen, dass sie dafür gebaut sei, um auch mit B-Führerschein fahren zu dürfen, um somit einen neuen Markt zu erschließen, immerhin hat sie ja mehre Spuren. DAS STIMMT NICHT…. Yamaha hat bei den Entwicklung ganz bewusst eine Spurbreite gewählt, welche unter dem Wert für „Zwei/Mehrspurige KFZ“ liegt um zu gewährleisten, dass nur Besitzer einer gültigen Lenkerbrechtigung für Motorräder damit fahren.

Mein persönliches Fazit:
Ich hatte richtig großen Spaß mit der NIKEN und habe sie auch nur schweren Herzens zurückgebracht. Sie legt eine top Figur beim cruisen sowie beim kurvenräubern an den Tag. Lediglich die Leistung ist mir etwas zu gering, wenn sie z.B. mit dem MT10 Motor gekrönt würde, dann ließe sie mir keine Wünsche offen.

Ich kann eine Probefahrt wirklich JEDEM Biker empfehlen, es ist ein Erlebnis und ohne damit gefahren zu sein, ist es einfach unmöglich sich ein Bild davon zu machen. Es ist eben was Neues 😉

 

Fotos: Daniel Obersberger, Sportfoto Manfred Wieland

3 Gedanken zu „Yamaha NIKEN – Ein Bike vom anderen Stern?

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