Harley Davidson LiveWire…

Motorradfahren wurde neu erfunden…

Mit der LiveWire, hat Harley Davidson nicht nur ein Elektromotorrad auf den Markt gebracht, nein, sie haben einen neuen Lifestyle erschaffen.

Ich hatte die Möglichkeit, das erste Elektrobike eines Großserienherstellers, in Spanien zu testen. Anfangs war ich mir nicht ganz sicher, wo ich dieses Motorrad einordnen soll. Aber es war doch von vorne herein klar, dass ich es testen MUSS, ist ja wieder etwas, das aus der Reihe tanzt und somit für beste Gesellschaft bei den Kurvenfahrer.at Bike-Tests sorgt.

„Sie soll nicht mal als klassisches Motorrad angesehen werden.“

Am Tag vor unserer Testfahrt, wurde im Rahmen eines kurzen Vortrages einiges rund um die LiveWire erzählt, auch die Herrschaften von Harley Davidson selbst, standen Rede und Antwort und konnten einige Fragezeichen auflösen. Diese Harley soll nicht als klassische Harley eingeordnet werden, sie soll nicht mal als klassisches Motorrad angesehen werden, es ist etwas komplett neues.

„Die E-Gitarre unter den E-Fahrzeugen“

Für mich waren im Vorfeld die Faktoren wie Reichweite, Lademöglichkeit, fehlende Geräuschkulisse etc. Themen, welche sich nur schwer mit dem Spirit Motorrad, also Freiheit, Unabhängigkeit und Purismus in Einklang bringen lassen. Aber, wie die netten Herren aus Milwaukee gesagt haben, es ist etwas komplett Neues. Also habe ich versucht, all meine Erwartungen und ggf. auch Vorurteile über Bord zu werfen und komplett resetet auf dieses Bike zu steigen.

Also, früh morgens hieß es dann am Rande Barcelonas, rein in die Klamotten, kurze Einführung in das extrem umfangreiche Bordmenü und los.

Die ersten Meter waren bereits ein kleines Aha-Erlebnis, denn im Vergleich zu anderen Elektromotorrädern ist die „Gas“-Annahme super angenehm und man kann es sehr fein dosieren und geschmeidig steuern und hat stets ein gutes Feeling in der „Gas“-Hand. Auch das Fahrverhalten und der Schwerpunkt sind gut gelungen, immerhin Showa-Fahrwerk ab Werk, hier also mal keine Nachteile bzw. unangenehme Eindrücke. Die hügelige Umgebung von Barcelona bietete uns eine atemberaubende Testkulisse mit endlosen Kurven. Hier konnte ich recht schnell die Sportlichkeit und Agilität der LiveWire erleben. Wenn man sie in ein Genre einordnen müsste, dann wäre es definitiv jenes der Nakedbikes.

„Wenn man sie in ein Genre einordnen müsste, dann wäre es definitiv jenes der Nakedbikes.“

Das ungeheure Drehmoment, welches ein Elektromotor an den Tag legt, sorgt ab der ersten Umdrehung dafür, dass sich die 106 PS deutlich stärker anfühlen als man es gewohnt ist. Durch das wegfallen von Schaltvorgängen oder der Trägheit eines Verbrenners, ist es eine absolut neue Dimension. 0 auf 60 Meilen (96,56 km/h) in 3 Sekunden und weiter auf 80 mp/h (128,75 km/h) in 1,9 Sekunden.

Ich gestehe, ich brauchte ein paar Kilometer, um mich auf das neue Feeling einzustellen, aber als das geklappt hatte und ich einfach im Hier und Jetzt angekommen war, war es unbeschreiblich. Es ist definitiv etwas neues und nicht mit Motorradfahren im herkömmlichen Sinne zu vergleichen. Diese Ruhe, man taucht noch mehr in die Natur und Umgebung ein, man erlebt die ganze Fahrt mit neuen Sinnen. Ruhe, endlose Leistung und top Allgemeinperformance machen dieses Bike zu einem Smileomaten, welcher auch als Therapiegerät verschrieben werden sollte.

„Ein Motorrad mit Herzschlag“

Ja, es ist ein E-Motorrad, hat also keinen Motor aber es hat trotzdem einen Herzschlag. Im Stillstand kann man ihn fühlen, er geht durch das ganze Bike und durch den Körper, ein Pulsieren ganz einem Herzschlag ähnlich. Ruhig zu Beginn oder nach gemütlichen Kilometern, wenn man sie aber anständig auf einen Berg jagt, steigt auch der Puls. Oben angelangt kann man fühlen, dass es dem Bike mächtig Spaß macht, einem ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Bumbum – bumbum – bumbum… dieser Heartbeat ist meistens dicht gefolgt von Gänsehaut beim Fahrer.

Für den beachtlichen Preis von rund € 33.000 bekommt man allerdings einiges an Moped. Standardmäßig voll ausgestattet, so ist z.B. eine große Brembo Bremsanlage, Kurven-ABS, Traktionskontrolle, Tempomat, sieben Fahrmodi, drei unterschiedliche Ladeoptionen und, und, und mit an Bord. Natürlich ist sie auch „smart“ und bietet eine komplette connectivity mit dem Smartphone, hier kann man sämtliche Parameter am Handy ablesen, aber auch ein Navi ist dabei, welches wir vom System her schon von KTM und BMW kennen und sich auf das Farbdisplay spiegeln lässt. In dieser Karte sind natürlich auch sämtliche Lademöglichkeiten zu finden. Zusätzlich bietet das smarte System eine Alarmanlage mit GPS Anbindung, sodass man umgehend am Smartphone benachrichtigt wird, wenn sich das Bike unerlaubt bewegt. Die Reichweite dürfte sich im guten Mix und Realbetrieb bei etwa 150 km. einpendeln. Wenn man mit starker Rekuperation fährt etwas mehr. Laden kann man sie über normalen Haushaltsstrom, etwa 25 km pro Stunde Ladezeit oder auch über alle gängigen Ladesäulen. Hier bekommt man in 40 Minuten etwa 80% und in 60 Minuten 100%. Weiters ist die Werksgarantie mit vier Jahren, doppelt so lange wie bei den meisten anderen Motorrädern am Markt und auf die Batterie gibt Harley sogar ein Jahr drauf.

>> Technische Daten HD LiveWire <<

Für wen ist die LiveWire also gebaut und erfunden worden? Dazu muss man vielleicht etwas weiter ausholen, denn die ersten Probefahrten mit dem Prototypen waren schon bei Worldtour 2015 möglich und dabei wurden Stimmen von über 15.000 Biker gesammelt und in Folge dann versucht umzusetzen. Somit ist es im Endeffekt ein Bike, welches vom Kunden mitentwickelt wurde. Aber ich würde sie, ganz nüchtern betrachtet, in die Kategorie Zweitbike einordnen. Ich denke auch, um hier wirklich eine Empfehlung abgeben zu können, müsste man sie etwas länger und im Zuge einer mehrtägigen Tour, auf „Herz und Nieren“ testen.
Aber alles in allem eine Wahnsinns Spaßmaschine, welche ein komplett neues Erlebnis darbietet.

 

Fotos by Harley Davidson

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