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Wie ich den Herbst lieben lernte

Der Herbst war für mich lange Zeit die schlimmste Jahreszeit. Ich bin ein Sommermensch, der die Wärme und das Licht förmlich aufsaugt. Vor einigen Jahren noch empfand ich den Herbst als eine Zeit des Verfalls. Die Natur schien vor meinen Augen zu „sterben“, die Tage wurden kühler, kürzer und dunkler. Besonders prägend war dies für mich, als ich noch im Internat in der Oststeiermark war. Damals sah ich den Tag meist nur durch Fenster, und wenn man nach den Unterrichtsstunden endlich nach draußen konnte, war es bereits dunkel und kalt. Diese Zeit war für mich eine echte Herausforderung.

Doch in den letzten Jahren hat sich meine Einstellung zum Herbst stark verändert – und das verdanke ich einer besonderen Leidenschaft: dem Motorradfahren. Diese Jahreszeit, die ich einst für ihre Kälte und Dunkelheit verabscheute, hat für mich einen ganz neuen Reiz bekommen.

Vor zwei Jahren, an einem verlängerten Wochenende rund um den Nationalfeiertag, machte ich mich das erste Mal allein auf zu einer mehrtägigen Motorradreise. Das Wetter war kühl, aber mit der richtigen Kleidung ließ es sich wunderbar aushalten. Ich entschied mich für eine Tour durch Slowenien bis nach Triest, dann weiter nach Istrien, Grado, Udine und in die Soca-Region. Diese Reise hat meinen Blick auf den Herbst grundlegend verändert – es waren Tage voller Schönheit und neuer Eindrücke.

Seitdem ist es für mich zur Tradition geworden, die Motorradsaison mit einer solchen Tour zu beginnen und zu beenden. Diese Solo-Trips haben für mich etwas Meditatives. Während ich fahre, erlebe ich die Natur auf eine ganz neue Art – die herbstlichen Farben, die Ruhe, die im Süden einkehrt, und das entschleunigte Leben in den Küstenstädten. Ich habe gelernt, die kühle, klare Luft und die leuchtenden Herbstfarben zu schätzen. Die Gedanken ordnen sich während der Fahrt, und eine innere Ruhe stellt sich ein.

Wenn der Herbst zu Hause neblig und trüb ist, schwinge ich mich oft trotzdem auf mein Motorrad und fahre in die höhergelegenen Regionen, wo die Sonne über dem Nebelmeer strahlt. Die Straßen sind leerer, und dank der abgeernteten Felder ist die Sicht wieder freier. Es ist fast, als gehöre die Welt nur mir.

Mit etwas weniger Geschwindigkeit, mehr Gefühl für die Straßenverhältnisse und einem wachen Blick kann man problemlos bis in den November hinein Motorrad fahren. Der Herbst hat so viel zu bieten – man muss ihn nur aus der richtigen Perspektive erleben.

Heute genieße ich ihn in vollen Zügen und freue mich jedes Jahr auf diese besondere Zeit. Der Herbst ist für mich zu einem Sinnbild für Entschleunigung und Neuanfang geworden.

In diesem Sinne einen schönen Herbst, #ridesafe & #havefun

euer Kurvenfahrer-Vik!

 

 

 

Fotos: Kurvenfahrer.at

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