Motorradfahren ist Kopfsache…

… und das in mehrfacher Hinsicht.

Hier möchte ich meine Gedanken und Erfahrungen von Zusammenspiel zwischen Kopf und Bike erzählen.

Das das Motorradfahren eine Auswirkung auf uns und unseren Geist hat ist unumstritten. Denn wer würde Motorradfahren, wenn es nicht Spaß, Freude oder andere schöne Emotionen in einem wecken würde? Eine schöne Ausfahrt bringt uns selbst und unsere Gedanken aus dem Alltag, so dass wir den Moment genießen können. Die Energie die man an so einem Tag sammeln kann, nimmt man dann oft auch noch tagelang mit.

Aber was ist mit der umgekehrten Richtung? Hat meine geistige Verfassung einen Einfluss auf meine Ausfahrt? Wie wirken sich negative Gedanken auf meinen Fahrstil aus?

Ich habe mich in dieser Saison verstärkt mit diesem Thema und die Zusammenhänge, sowie die Einflüsse und die bewusste Kontrolle über Gedanken auseinandergesetzt, teilweise auch unfreiwillig als Betroffener.

Auf den unzähligen Kilometern und Trainings, in diesem Jahr, habe ich sehr gut beobachten können wie der Kopf und die Gedanken sich unmittelbar auf die Fahrtechnik auswirken. Positiv sowie auch negativ.

Negative Gedanken, wie z.B. „hoffentlich stürze ich heute nicht“ oder „hoffentlich geht diese Ausfahrt gut“ führen auf Dauer dazu Fehler zu machen. Das sind Gedanken die das Unterbewusstsein sehr vereinnahmen, genau dieses sollte aber frei von solchen Gedanken sein und sich voll und ganz um unsere antrainierten Reflexe kümmern. Was ist die Folge? Man fährt, z.B. im Konvoi und kommt in eine Situation in der eine kleine Reaktion, wie z.B. ein leichtes Anbremsen oder eine Korrektur am Lenker ausreicht, um gemütlich weiterzufahren. Jetzt ist der Kopf aber nicht bei der Sache und dieser Punkt wird überschritten. Bis wir dann bewusst diese Situation wahrnehmen, ist bereits eine starke Korrektur notwendig. Das hat dann aber schnell eine falsche Reaktion zur Folge.

Kleiner Test – Ohne hinzusehen, wie sieht das Zifferblatt der eigenen Armbanduhr aus? Komisch oder? Das Unterbewusstsein, wenn es nicht mit anderen Dingen beschäftigt ist, kann sich die wichtigen Dinge des zu Verarbeitendem herausfiltern und steuert so meine Reaktionen auch beim Biken. Wenn ich also nicht bei der Sache bin und mehr reagiere als agiere, kommt es auf Dauer zu Fehlreaktionen und in weiterer Folge unter Umständen zu Stürzen.

Das sind auch Vorgänge die Ängste mit uns anstellen. Sie lähmen meine Gedanken und Reaktionsfähigkeit.

„Angst ist der schlimmste Sozius.“

Das Bauchgefühl

Wer kennt das nicht, ein ungutes Feeling auf den ersten Metern, hat bestimmt schon jeder Biker mal erlebt. Die Fahrt auf dem Bike fühlt sich irgendwie eigen an, es läuft nicht alles rund, man ist mit diversen Manövern nicht optimal im Timing. Das sind Anzeichen dafür das Körper und Geist nicht optimal harmonieren. Hier mein Tipp: Umdrehen und heimfahren und den Tag anderweitig genießen.

Ich habe genau diese Geschichte heuer sehr oft erzählt bekommen, von Personen die zu Sturz gekommen sind. Fast alle mit denen ich über ihre Unfälle gesprochen habe, erzählten mir das gleiche: “Ich hatte schon so ein ungutes Gefühl”.

Diese Gefühle resultieren aus fehlender Konzentration und einem unfreien Unterbewusstsein, durch die vielen Kleinigkeiten, die nicht ganz passen, ablaufen, die sonst wie von selbst funktionieren und, und, und. Der Bauch sagt uns dann ja eh was Sache ist, wir müssen nur darauf hören.

Kann ich meine Gedanken steuern?

Kurz und einfach gesagt: Ja, aber… Seine Gedanken bewusst zu kontrollieren ist keine einfache Sache. Das erfordert einiges an Übung. Es gibt jedoch einen Weg, der nicht ganz so schwer ist. Diesen habe ich für mich früher gerne angewendet, wenn ich mal gemerkt habe, es passt nicht ganz heute.

Es gibt auch mehrere Arten von Gedanken, die es zu unterscheiden gilt. Einerseits gibt es Angst, die oft aus einer schlechten Erfahrung heraus entstanden ist und meisten durch bestimmte Auslöser plötzlich auftritt. Das kann das Passieren einer Unfallstelle sein, oder eine Verkehrssituation, welche bestimmte Erinnerungen weckt. Die andere Art von negativen Gedanken sind jene, die aus dem mulmigen Bauchgefühl stammen. Diese haben, wie schon gesagt, meistens mit innerer Unruhe zu tun und können z.B. durch privaten oder beruflichen Stress entstehen.

„Überschreibe deine Angst mit neuen Gedanken!“

Um Ängste zu überwinden habe ich einen einfachen Weg, allerdings muss man etwas Geduld dafür mitbringen. Überschreibe sie mit neuen Glücksdaten. Klingt doof, ist aber nicht so kompliziert. Es gibt z.B. einen Berg auf dem man eine brenzlige Situation erlebt, oder gar einen Unfall hatte, dann gilt es genau diesen Berg so lange zu befahren, bis die neuen und frischen Gedanken so präsent sind, dass man diese als „Referenzgedanken“ an den Berg hat. Dafür ist es aber besonders wichtig, den Berg  so zu befahren, dass es unter keinen Umständen zu erneuten gefährlichen Situationen kommt. Denn dann wird es immer schwieriger „den Berg“ wieder aus dem Kopf zu bekommen.

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Für das Bauchgefühl, wenn ein Zuhausebleiben außer Frage steht, habe ich folgende Technik parat: Zuerst überlegen, wo es ein schönes Platzerl gibt, bei dem man bestenfalls auch ein bisschen Ruhe haben kann. Dort das Bike abstellen, sich setzen und zur Ruhe kommen. Jetzt holt man sich die besten Erinnerungen vom Biken aus dem Gedächtnis. Das kann ein bestimmter Abschnitt einer Lieblingsstrecke sein oder die erste Auffahrt auf einen schönen Pass, wichtig ist, dass es eine Erinnerung ist, die einem noch sehr greifbar ist.  Die Gedanken mehrfach abspielen, immer und immer wieder – Replay-Taste drücken. Von Mal zu Mal versuchen, ein Detail mehr zu entdecken. Nach einiger Zeit merkt man, wie man zur inneren Ruhe kommt. Das ist dann der beste Moment wieder loszufahren. Ich versuche dann diese Fokusiertheit aufrecht zu erhalten und zwinge mich einige Zeit lang extrem auf die Sache zu konzentrieren. Jeder Meter, jedes Manöver mit höchster Konzentration, schon fast übertriebene Konzentration. Nach einigen Kilometern fällt es dann vielleicht auf, das ungute Feeling ist weg und ich bin voll bei der Sache und habe größten Spaß am Fahren.

Ich finde es ist sehr wichtig, sich dem Zusammenspiel zwischen Bike und Geist bewusst zu sein und auch auf das eine oder andere Gefühl einzugehen und hinzuhören. Der Bauch hat meistens recht, mit dem was er uns mitteilen will. Und seien wir mal ehrlich, die oben genannten Techniken sind doch auch nicht gerade eine Strafe.

 

Ich hoffe, dass ich den einen oder andern Tipp und Denkanstoß geben konnte. Im Frühjahr werde ich zu diesem Thema noch etwas Beitragen  #staytuned

3 Gedanken zu „Motorradfahren ist Kopfsache…

  1. das mit dem konzetrirten bziehungsweis überkonzentrierten fahren kann ich voll und ganz bestädigen nach einer weile so fahren kommt dann auf einmal wieder das lockere biken und die freude wieder und es macht wieder spaß durch die gegend zu fahren.Ich glaube durch das konzentiren auf das bike den verkehr und die strasse wird das eigene sicherheitsgefühl wieder auf vordermann gebracht oder wie beschrieben das bauchgefühl mfg gottfried

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  2. Gottfried Baumgartner, teilweise geb ich Dir recht, doch wenn man sich zu viel auf die Maschine und den Stassenverkehr konzentriert, dann wird man verkrampft ! Auch nicht gut, verkrampft Motorrad zu fahren, denn Biken ist reine Gefühlssache ! Also meine Meinung, vor einer Tour ausgeschlafen und halbwegs frei im Kopf, losfahren dann bringt es auch Spass und deine Reflexe funktionieren dann auch am besten ! Ganz ohne Stress und entspannt, …..
    DLzG Chris

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